Gräber gefallener Soldaten werden auf der ganzen Welt gepflegt. Hier Ruhestätten von Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg auf dem Friedhof Markstiege. Foto: Heiner Harnack

Für die meisten Soldaten endet der Kontakt zur Bundeswehr am Tag der Entlassung. Vor Jahren noch gang und gäbe, ist es heute eher eine Seltenheit, dass Reservisten in die Armee beordert werden.

Wenn doch einmal, sind es zumeist Katastropheneinsätze. Viele Bürger wissen aber nicht, dass die Reservisten weniger ein Brauchtum des Militärischen pflegen, als vielmehr maßgeblich dazu beigetragen haben, einst offene Wunden nach zwei Weltkriegen zu heilen.

Karl-Heinz Kamlage hieß vor 50 Jahren der Gründungsvorsitzende der Meppener Kameradschaft, als die Bundeswehr noch eine Wehrpflichtigenarmee und der Kalte Krieg noch in Europa zuhause war. Die Verteidigungsminister hießen Kai-Uwe von Hassel und Gerhard Schröder (1966, beide CDU). Fünf Jahrzehnte später hat Jürgen Bradler den Posten des Vorsitzenden der Reservistenkameradschaft Meppen inne. Die Bundeswehr ist heute eine Freiwilligenarmee, der Kalte Krieg scheint wieder vor der Tür zu stehen und in Berlin gibt Ursula von der Leyen als erste Frau im Amt den Ton an.

Völkerverständigung

Die Reservisten hätten im Laufe der Jahrzehnte mit Wanderungen im nationalen und internationalen Bereich, zivil und uniformiert, dazu beigetragen, die Verständigung zwischen den einst verfeindeten Völkern in Europa zu verbessern und zu stärken, erzählt Bradler. „Wir haben nicht nur die Bundeswehr, sondern auch die Stadt Meppen in der Schweiz, in Dänemark, in den Niederlanden oder auch der Tschechischen Republik vertreten und immer darauf hingewirkt, dass Frieden in Europa herrschen soll“, sagt der Oberfeldwebel der Reserve.

Eine besondere Freundschaft werde zu den Kameraden im niederländischen Overijssel gepflegt, die mit verschiedenen sportlichen Wettbewerben, Grillfesten, aber auch mit Kranzniederlegungen zu Ehren Gefallener gefestigt werde. „Wir arbeiten für den Frieden, weil wir die Erinnerung an beide Weltkriege wachhalten“, verdeutlicht Bradler das Wirken der Reservisten. „Kriege sollen für immer geächtet werden“, macht er auf die bittere und nicht immer leichte Arbeit auf den Soldatenfriedhöfen in ganz Europa aufmerksam. Diese Orte der Erinnerung und des Gedenkens müssten in einem menschenwürdigen Zustand erhalten werden.

Mehr als Kriegsgräber

Der Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, habe bereits im Jahre 2008 gesagt: „Wer an Europa verzweifelt, der sollte Soldatenfriedhöfe besuchen.“ Das nicht ganz leichte Verhältnis zwischen der EU und Russland in diesen Tagen hindert aber russische Wehrpflichtige und Kosaken nicht daran, in Ostpreußen zusammen mit den Deutschen Kriegsgräber instand zu setzen.

Bradler freut sich auch, dass in Polen die Zusammenarbeit ganz hervorragend funktioniere. Selbst kommunale Einrichtungen stünden bei der Pflege der Gräber mit Rat und Tat zur Seite. Natürlich gebe es auch Schießwettbewerbe oder Infanterie- und Gefechtsausbildungen. Aber genauso rette und berge man verunglückte Menschen. Menschen hätten immer im Vordergrund der Reservistenkameradschaft seit 50 Jahren gestanden.

Heim-Standort der Reservisten-Kameradschaft-Meppen ist seit vielen Jahren der weithin sichtbare Wasserturm vor der WTD 91. Foto: Heiner Harnack
Heim-Standort der Reservisten-Kameradschaft-Meppen ist seit vielen Jahren der weithin sichtbare Wasserturm vor der WTD 91. Foto: Heiner Harnack

Quelle: Meppener Tagespost