Kranzniederlegung zum Abschluss der Arbeiten auf dem Soldatenfriedhof Kamianka in Polen im August 2015 durch die Reservistenkameradschaft Meppen und polnische Helfer.

Meppen. 100 Jahre nach den Kämpfen am Fluss Narew in Polen hat die Reservistenkameradschaft Meppen die Herrichtung der Soldatengräber aus der Zeit des Ersten Weltkriegs vollendet. Bei einer Historikertagung in Meppens Partnerstadt Ostroleka waren die Reservisten als fachkundige Gesprächspartner gefragt.

Denn der Vorsitzende Jürgen Bradler hat sich intensiv mit der Geschichte der Region um die Partnerstadt in der Zeit zwischen 1914 und 1918 befasst. Er hielt darüber einen Vortrag. Für die Polen sind die Kämpfe zwischen der Deutschen Armee und der Armee des russischen Zarenreichs mit einer besonderen Tragik verbunden, weiß Bradler. Denn aus den damals zum Königreich Preußen gehörenden Teil Polens mussten Wehrpflichtige gegen ihre Landsleute aus dem russisch beherrschten Teil Polens antreten, die in der Zarenarmee zu dienen hatten. Dem Vorsitzenden der Reservistenkameradschaft ist eine Familie bekannt, aus der zwei Brüder aus benachbarten Ortschaften an der Grenze in den beiden verfeindeten Armeen kämpften.

Südlich von Ostroleka versuchten ab dem 22. Juli 1915 deutsche Truppen, mit einem Angriff über den Narew hinweg, russische Armeeteile, die im Raum Warschau standen, einzukesseln. Die russischen Generäle erkannten die Gefahr und deshalb gab es verlustreiche Kämpfe im Flusstal. „Zurück blieben Tausende gefallener Soldaten auf beiden Seiten. Diese wurden auf die in der Umgebung schnell angelegten Friedhöfe wie Kamianka, Cisk, Nogawki, Zabin, Gierwaty und so weiter beigesetzt“, heißt es im Vortrag von Bradler.

Gespräche Anfang 2010

Der Friedhof Kamianka wurde von dem in Rzekun-Kamianka wohnenden Unternehmer Jozef Galanek entdeckt und einer Besuchergruppe aus Meppen gezeigt. In anschließenden Gesprächen zwischen der Stadt Meppen und dem Partnerschaftskomitee Meppen-Ostroleka wurde über eine Instandsetzung dieses ehemaligen Soldatenfriedhofes beraten, berichtet der Reservistenkameradschaftsvorsitzende.

„Anfang 2010 wurden wir über das Partnerschaftskomitee Meppen–Ostroleka zu einem Gespräch mit der Stadt Meppen über die Instandsetzung eines Soldatenfriedhofes im Bereich der Stadt Ostroleka/Polen eingeladen. Ergebnis war, dass im April 2010 vier Reservisten, der stellvertretende Bürgermeister aus Meppen und der Vorsitzende des Partnerschaftskomitee Meppen/Ostroleka zu einem Ortstermin nach Kamianka in der Gemeinde Rzekun fahren sollten, um sich zu informieren“, berichtet Bradler. „Das uns im April als Soldatenfriedhof gezeigte Gelände direkt am Narew gelegen, war als Friedhof kaum noch zu erkennen. Auf dem seit 1945 „vergessenen“ Friedhof , auf dem circa 10.000 Gefallene, Polen und deutsche Soldaten in Einzelgräbern und russische Soldaten in vier Massengräbern, die hier im Jahr 1915 bestattet sein sollen, hatte sich inzwischen die Natur das wieder zurückgeholt, was der Mensch vor Jahren angelegt hatte.“

Mehrere Einsätze in den vergangenen fünf Jahren

Bereits im August 2010 begannen die Reservisten aus mit Unterstützung durch den Unternehmer Galanek, dem Partnerschaftskomitee und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge mit der Herrichtung der Grabanlage, was in den folgenden Jahren in Arbeitseinsätzen fortgeführt und auch auf benachbarte Soldatenfriedhöfe ausgedehnt wurde. Die Partnerstädte Ostroleka und Meppen zeigten durch das Pflanzen von Friedenseichen und die Stiftung einer Gedenktafel für den Friedhof Kamianka ihre Verbundenheit mit dem Vorhaben.

Bei der Tagung in Ostroleka konnte der Vorsitzende der Reservistenkameradschaft Meppen drei Auszeichnungen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge an polnische Unterstützer überreichen: Dr. Zbigniew Tanski - Ehrennadel in Silber, Dr. Witold Rzepinski - Ehrennadel in Silber und Jozef Galanek - Ehrennadel in Gold.

Bild: Reservistenkameradschaft
Quelle: Meppener Tagespost